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Formel-1-Tsunami: Gib dem Affen Zucker als Gipfel der Widersprüchlichkeit

Ich bekenne, ein Renegat zu sein. Ich gebe zu, dass mich vor 20, 30, 40 Jahren auch dank heimischer Topstars, echten Weltmeistern wie dem unvergesslichen Niki Lauda und extrem schnellen Bergers, denen die letzte Konsequenz zum Champion gefehlt hat, die Formel 1 fasziniert hat. Erst am alten Österreich-Ring, nach zehnjähriger Pause am neuen A-Ring, inzwischen aber hab´ ich im Gegensatz zu vielen (auch TV)-Kollegen eine gewisse Distanz dazu aufgebaut.

Was sich da vor dem Österreich-Grand-Prix ohne rotweißroten Fahrer, sondern nur mit heimisch angefärbtem Team und ein paar Teamchefs an Hype abspielt, stellt sogar jenen um die Fußballfrauen in den Schatten, da ist selbst die Thiem-Talfahrt nur noch ein Wurmfortsatz. Ja, ich bin ein Renegat im Sinne des Wortes, ein Abtrünniger, der aber weder grüner Rebell noch Nörgler um des Nörgelns Willen ist, sondern sich nur wundern kann, wie in Zeiten wie diesen der rasende Anachronismus mit einer geradezu unvorstellbaren Welle an euphorischer, medialer Konsequenz die immer größeren, schon aktuellen, aber bald noch schlimmeren Alltagssorgen einfach wegschwemmt!


Ja, aus mir, dem früheren Formel 1, Niki-, Berger-, Schumi- und anderer Fan ist der Renegat geschlüpft, dem nicht einleuchtet, dass in Sendezeiten und Zeitungsspalten der Energie-Teufel an die Wand gemalt, von einem Engpass nach dem anderen berichtet und das Fußvolk von den wohlbestallten Politikern aufgefordert wird, den Sparstrumpf statt der Spendierhose anzuziehen – und auf anderen Zeiten, Seiten und Spalten geht der Tsunami an Energievergeudung und an Emissionen, an Reifenverschleiß, Geldverschwendung und an (auf das Bullen-Ring-Umfeld beschränkte) Umweltverwüstung ganz schön ins Eingemachte. Diese von Politikern, die sich womöglich in Spielberg mit Hollywood-Granden sonnen oder mit Lokalgrößen die Krise weglächeln wollen, achselzuckend akzeptierte und von Medien gedanken- und bedenkenlos propagierte Widersprüchlichkeit ist fürwahr atemberaubend.

Der gleiche ORF, der nicht müde wird, die frohe Botschaft zu verkünden, dass wir den Gürtel enger schnallen müssen, wirft nicht nur (politisch korrekt verteilte) Unsummen in die Frauen-Euro in England, sondern alles, was er noch hat, in die Schlacht gegen den Didi, den Dosen-Kaiser, der Servus zu Temporausch und Abenteuerlust sagt, koste es, was es wolle. Da wird sogar Alexander Wurz, der vorletzte heimische Formel-1-Matador, der jetzt seine Expertisen im Öffentlich-Rechtlichen verteilt, im Eiltempo von einem anderen Event in die Obersteiermark verfrachtet, die temporär zum Nabel der (Formel-1)-Welt wird. Ja, panem et circenses, so hieß es bei den alten Römern, die auch darob das Zeitliche gesegnet haben. Einer ihrer Nachfahren, der witzige, tolpatscherte Adriano Celentano, spielte die Hauptrolle in einem Film, der die aktuelle Situation nicht treffender beschreiben könnte: Gib dem Affen Zucker! Nachsatz: Solange der Vorrat noch reicht.

Aber was, wenn der Formel 1 der Sprit ausgeht? Macht nichts, dann fährt sie unter Saudi-Flagge. Mit Ben Sulayem hat die FIA ja auch schon einen Präsidenten aus den Emiraten. Wie der Weltschwimmverband mit Husain Al-Musalam. Apropos Schwimmsport. Für den vom Salzburg-Bulgaren Plamen Ryaskow von Kindesbeinen an bestens trainierten Migrantensohn Luka Mladenovic war´s angesichts des Formel-1-Tsunamis natürlich extrem schwer, dass man von ihm mehr als nur Notiz nimmt. Dabei hatte der 18jährige gerade mit persönlicher Bestzeit bei der Junioren-EM in Rumänien die Silbermedaille über 200m Brust gewonnen, die erste bei diesem Event für Rotweißrot seit vier Jahren. Und alles aus eigener Kraft und Energie!  

  Plamen Ryaskow und sein EM-versilberter Vorzugsschüler Luka Mladenovic.

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