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Schwimmen

Medaillen von einigen Außergewöhnlichen machen noch keine Schwimmnation

Noch steht ja das Freiwasserschwimmen in den weniger geliebten, vielmehr gefürchteten Meereswellen vor Ostia aus mit dem in Würzburg stationierten Grazer Jan Hercog (WM-Neunter) – schon jetzt aber kann der Schwimmverband die beste EM-Bilanz seit vielen Jahren ziehen. Und das, obschon 200m-Bronzegewinner Felix Auböck nach einer lange verschwiegenen Corona-Erkrankung und dreiwöchigen Trainingspause am Ende seiner Kräfte in seiner Domäne 400m Kraul wieder einmal nur die Blechtrommel rühren konnte. Dafür aber sprang zum Finale furioso am Foro Italico – nomen est omen bei 19xGold und einer Flut von 52 Medaillen insgesamt für Gastgeber Bella Italia – das Lagen-Quartett mehr als nur in die Bresche, um mit Bronze die erste Staffelmedaille für Rotweißrot seit 2008 (EM Eindhoven, 4x200m Kraul mit Rogan und Jukic) zu erobern.

Und wie damals einst im März und nicht Mai wirft der starke August in Rom die Frage nach insgesamt sechs EM-Medaillen (Auböck, Staffel, Vasiliki Alexandri 2x Solo, Eirin und Anna Maria Alexandri zweimal Duett) die verführerische Frage auf: Ist Österreich gar unterwegs zu einer Schwimm-Nation? Die Antwort lautet schlichtweg: Nein! Oder zumindest noch lange nicht, um Vorspiegelung falscher Tatsachen vorzubeugen! Wir haben Auböck, der via Berlin, Michigan nach England ging, dort seinen Masters macht und dort zum Kurzbahnweltmeister und EM-Medaillengewinner wurde.


Wir haben inklusive den jetzt zweimal disqualifizierten Brustschwimmer Christopher Rothbauer ein Quintett, das schon Weltklasse ist oder aber dort anklopft mit dem jetzt veredelten zweifachen EM-Vierten Valentin Bayer (50m und 10o0m Brust), dem Naturtalent Simon Bucher (Delfin), Wahllinzer aus Innsbruck, mit dem in Spittal von Trainer-Altmeister Kendi vielseitig ausgebildeten, vom Ex-US-Studenten Jakub Maly gut betreuten Krauler Heiko Gigler und dem einst auch in Tirol aufgebauten Bernhard Reitshammer, der sich für meine Begriffe in zu vielen Kurzsprints mit nicht-olympischen Bewerben verzettelt statt sein großes kündigen sich nur Luca Mladenovic (Junioren-EM-Silber, 200m Brust) und Junioren-EM-Finalist Horvath (200m Delfin) an. Es sei denn, aus dem Nichts taucht ein Stern aus dem Wasser auf.

Perspektiven  bei den Damen? Da schaut´s eher traurig aus, seit Kraulerin Marlene Kahler in Kalifornien studiert und Ex-Junioren-Vizeweltmeisterin Lena Grabowski der Matura und angehenden Politessenkarriere halber Prioritäten anders setzte. Bei ihren schon im Einsatz befindlichen Polizei-Kolleginnen Caro Pilhatsch (Ex-Junioren-Vizeweltmeisterin 2018, Kurzbahn 50m Rücken) und Lena Kreundl steht die Fortschrittsampel inzwischen auf Rot. Leider schaut es aktuell auch so aus, als würde das einstige Wunderkind Nina Gangl (50m Kraul) nicht halten, was sich Trainer Fehervari versprochen hat. Und ob aus der Salzburger EM-Debütantin Anastasia Tichy (Semifinale 200m Delfin) was wird, lässt sich noch nicht abschätzen. Dass aber in Salzburg (Trainer Plamen Ryaskow) gut trainiert wird, das hat auch der nach WM und Junioren-EM (Silber 200m Brust) schon etwas müde Luka Mladenovic („Mit dem früheren Salzburg-Legionär bin ich nicht verwandt!“) schon mehrfach unter Beweis gestellt. Nur aus Wien kommt so gut wie nichts mehr nach. Traurig genug für eine Sportstadt, die noch vor zwei, drei Jahrzehnten den Ton angegeben hat.

Mit ItalienerInnen, Ungarn, Briten, Franzosen etc. können wir uns nicht messen, sollten uns aber abseits vom Wasserballett ein Beispiel an den Nachbarn aus der Schweiz nehmen, die mit ihren eingeborenen SchwimmerInnen, aber auch Migranten einmal Gold (Mame, 200m Brust, Damen, Mama aus Italien) und dreimal Silber (Ponti, Djakovic) aus dem Pool fischten. Eine schöne Ausbeute, obschon quasi ihr Auböck, der Vorzeigestar Desplanches (200m Lagen), Vorjahrs-Europameister und Olympiazweite, nach schöpferischer Pause und Trainerwechsel alles andere denn in Medaillenform war, aber schon im WM-Jahr 2023 wieder der alte sein kann.  Das ist keine Beckmesserei eines Nörglers, sondern eine nüchterne Bestandsaufnahme. Ein paar Außergewöhnliche, die zum Großteil ihre angestammte Heimat verlassen haben, können leicht den Spiegel der Realität verzerren.

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