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Tennis

Misolic oder: Kitzbühel und US-Open-Qualifikation trennen Schein und Sein

Ich bin mir natürlich dessen bewusst, dass es nicht goutiert wird, dem Sport wie SportlerInnen den Spiegel der Realität vor Augen zu halten. Da gilt man hierzulande als medialer Nestbeschmutzer, als Negativist oder Beckmesser, der nörgelt statt jubelt. Daran hab´ ich mich längst gewöhnt, weil´s der heimischen Nomenklatura selbstverständlich nicht gefällt, wenn jemand wie meine Wenigkeit, die sich seit Jahrzehnten mit dem heimischen Spitzensport beschäftigt, das mitunter gern verkaufte Hurra oder Hosianna hinterfragt oder gar in Zweifel stellt. Ehe ich mich mit einem eigenen Blog der Fußball-Tragödie in drei Akten mit Rapid, Austria, Wolfsberg widme, will ich als Wahl-Kitzbüheler mit jahrzehntelanger Tennis-Erfahrung an das heurige 250er-Turnier erinnern, bei dem der Austro-kroatische Sensationsfinalist Filip Misolic als neuer Wunderwuzzi abgefeiert wurde, der sich quasi schon auf den Spuren eines Muster, Thiem oder auch Melzer befinden würde.

Das war, bei allem Respekt vor dem Durchmarsch bei seinem allerersten ATP-Turnier bis zum Endspiel zwar eine schöne, gut verkaufbare Story, der medial angekündigte Himmelsturm des 21jährigen Steirers mit Wohnsitz in Zagreb und kroatischem (Touring)-Coach aber ist leider oder fast erwartungsgemäß trotz Akku-Auftankens im Kroatien-Urlaub am Meer ausgeblieben. Obschon der für heutige Begriffe mit seinen 1,80m eher mittelgroß bis klein geratene Filip zum Auftakt der US-Open-Qualifikation zunächst einen Dreisatzsieg gegen den weit jüngeren Martin-Damm-Sohn feierte, war dann bei der etwas höheren Hürde namens Corentin Moutet ziemlich schnell und eindeutig mit 2;6, 4:6 bereits Endstation. Und dabei gehört dieser nur zwei Jahre ältere Franzose keineswegs zu den Hardcourt-, sondern eher zu Sandplatzspezialisten wie der zumindest aktuell überschätzte Filip, der wie in New York noch öfter Lehrgeld zahlen und aus den Lektionen viel lernen wird müssen, um sich einen Stammplatz bei größeren Turnieren zu erkämpfen.


Auch wenn mit Hilfe von potenten Medienpartnern und Sponsoren ein früherer, viel besser dotierter, viel höher geschätzter Turnierklassiker wie Kitzbühel aktuell als Wimbledon der Alpen sehr gut, aber auch irreführend vermarktet wurde, so kommt die realistische, entlarvende Retourkutsche halt spätestens bei einer Grand-Slam-Qualifikation – wie jener in beim US-Open, die ohne jede Schönfärberei, aber umso brutaler den Unterschied zwischen Schein und Sein aufzeigt. Wenn Sie mich fragen, dann hängt das Wohl und Wehe auch auf längere Zeit weiterhin davon ab, ob der bald 29jährige Dominic Thiem allen Zwangspausen und Rückschlägen zum Trotz wieder zu sich und alter Stärke findet. Daran kann und wird auch der eine oder andere Challenger-Achtungserfolg ebenso wenig ändern wie ein Daviscup-Pflicht-Heimsieg gegen Pakistan mit der allmählich verlorenen Novak-, Ofner-, Rodionow-Generation, die nicht hält, was sie versprochen hatte. In New York hat´s gerade einmal Novak in die 3. Quali-Runde geschafft…

Schon jetzt wär´s meiner Ansicht nach ganz wichtig, sich speziell um ein offensichtliches Ausnahmetalent wie den erst 14jährigen Joel Schwärzler, seines Zeichens aktueller U16-Europameister, ebenso wie um einige seiner weiblichen Teenager-Pendants zu kümmern. Genauer gesagt, alles zu tun, damit diese Starlets mit Potenzial auch in die richtigen Hände kommen, um sich dort in Stars verwandeln zu können. Auch ein Muster (unter Leitgeb und Fibak) oder der vor 14 Jahren unter dubiosen Umständen in Hamburg früh verstorbene Horst(i) Skoff (Kukal, Bresnik) haben sich einst nicht nur mit gesunder Konkurrenz, sondern mit Rivalität wie Hund und Katz abseits freigestrampelt und hochgeschaukelt. Und nicht anders hat es sich einst bei Hans Kary (mit dem späteren Rivalen Peter Feigl) verhalten. Motto des Aufstiegs: Selbstüberwindung und Selbstverteidigung. Also kratzbürstig, um sich seiner Haut zu wehren, statt pflegeleicht, weil sogar Auftakt-Niederlagen ja gut honoriert werden.

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