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Tennis-Bossen ins Stammbuch: ATP-Finale mit geschlauchten Stars hat sich überlebt

Die Tennissaison geht in die Zielgeraden, ehe das ATP-Finale in Turin steigt, die einst offizielle, jetzt inoffizielle WM, geht´s in Paris-Bercy nur noch um Punkte und Preisgeld im letzten 1000er der Masters-Serie. Und dabei kam schon im Viertelfinale das Aus der neuen Nummer 1, des US-Open-Siegers Carlos Alcaraz. Der Spanier lag im Duell der 19jährigen Tenniskometen gegen den vor einem Jahr noch von Ronnie Leitgeb als Star von morgen angekündigten Dänen Holger Rune hinten, ehe er das Handtuch warf: Geht nicht mehr, bin verletzt, muss vorsichtshalber aufgeben, um bis Turin wieder halbwegs, wenn schon nicht fullfit zu werden. Irrtum. Carlito ist zu sehr lädiert, um in Turin spielen zu können. Allzu viel ist eben ungesund. Auch an Spielen (67) für einen Teenager…

Reden wir jetzt nicht von einem zwischendurch ausgesetzten, dann wieder angeworfenen Perpetuum mobile wie Rafael Nadal, der auf seine alten Tage mehr Verletzungspausen einlegen muss, als er Turniere spielen kann. Die Zahl der Spitzenleute, bei denen es am Ende einer extrem langen Saison zwickt und zwackt, die aber schon deshalb immer wieder zum Schläger gegriffen statt sich und Körper geschont haben, um sich für das ebenso lukrative wie prestigeträchtige Finale zu qualifizieren, wächst von Jahr zu Jahr.


Und das ist nicht weiter verwunderlich, wenn man in der Statistik der Topspieler blättert, die dann in Turin um den inoffiziellen, hochdotierten Pseudo-WM-Titel spielen. Im Gegensatz zu Nadal (38 Siege in 43 Spielen) und dem immer wieder ausgegrenzten Impfmuffel Djokovic (33 Siege in 39 Spielen) haben alle anderen 60 und viel mehr Matches in Armen und, Beinen, aber auch mental in ihren Köpfen. Die meisten mit Felix Auger-Aliassime (53:24) und Stefanos Tsitsipas (57:21) zwei Spieler, die zwischendurch auch immer längere Tiefs mit unerwarteten frühen Turnier-Flops hatten überwinden müssen, um am Ende wieder in Topform zu sein.

Wenn Sie mich fragen, dann sollte, nein: müsste die ATP ihre Saisonplanung insofern überdenken, dass sich ein vor 50 Jahren unter ganz anderen Voraussetzungen aus der Taufe gehobenes Finalturnier der besten Acht im Ranking in dieser Form überlebt hatm sportlich anachronistisch, als Cash-Cow aber interessant ist ist. Abgesehen davon, dass es bei einer ständig wachsenden Dichte an der Spitze (ein derzeit schon angeschlagener Sinner z. B. hatte Matchball beim US-Open gegen Alcaraz) ja keineswegs überraschend kommt, wenn die weniger geschlauchte Nr. 8 die womöglich ausgelaugte Nr. 1 schlägt. In diesen einst als Masters titulierten ATP-Finals fehlt also das, was eine echte Weltmeisterschaft in einer Weltsportart ebenso ausmacht wie in jedem der vier Grand-Slam-Turniere – die Erst-, Zweit- oder Drittrundensensation als Überraschungseffekt, also Salz in der Suppe, welches eine WM würzt!

Statt inflationärer Turniere im Countdown zum US-Open würde sich zwischen Wimbledon und New York meiner Ansicht in nichtolympischen Jahren zumindest im Zweijahresrhythmus ein solcher Glamour-Event wie bei Sommerspielen (eventuell mit Quali an drei Orten a la Golf, um Top 64 zu ermitteln) anbieten, wenn nicht aufdrängen. Auch Leichtathleten, Schwimmer, Paddler, Ruderer kämpfen ja mit wenigen, meist klimatisch bedingten Ausnahmen mitten in der Saison und nicht erst am Schluss um Titel und Medaillen.

Also dann, wenn sie voll im Saft und nicht schon am Ende ihrer Kräfte sind. Und das ist bei mehr als 60 Matches in verschiedenen Zeitzonen, Kontinenten und Hemisphären immer öfter der Fall, ohne dass der Turnier-Kommerz darauf Rücksicht nehmen würde. Es wäre höchste Zeit, sich dazu Gedanken zu machen…

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