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Ballsport

Von Rangnick-Perspektive und Boris-Becker-Leben in Haft und Trümmern

Anders als mein alter, sonst so geschätzter Weggefährte Hans Krankl bin ich mehr als zufrieden, dass mit Ralf Rangnick ein höchst fähiger Stratege als neuer Teamchef engagiert wurde. Natürlich ist´s vorerst nichts als graue Theorie, wer aber weiß, wie der Südwestdeutsche aus dem Badischen tickt, der kann durchaus darauf hoffen, dass sich mit dem aktuellen, aber eher unglücklichen Manchester-United-Manager rosige Perspektiven für die Nationalmannschaft eröffnen. Wär´s anders, hätte sich ja nicht das ganze ÖFB-Präsidium mit dem neuen Boss Milletich an der Spitze geschlossen für den Vorschlag von Sportdirektor Peter Schöttel ausgesprochen. Zu glauben, dass damit aber über Nacht schon die Zukunft begonnen hat oder beginnt, wäre wohl ein fataler Irrtum. Auch Rom ist ja nicht an einem Tag erbaut worden. Gut Ding braucht Weile.

Umschnitt auf ein anderes, trauriges Kapitel, mit dem sich von einem Tag auf den anderen, mehr noch: von einer Minute zur anderen, das Leben eines der weltweit populärsten Sportstars verändert hat. Just in London, wo einst in Wimbledon das von ihm so genannte Wohnzimmer stand, musste es Boris Becker mit einer Zelle im Gericht tauschen. Wegen bewusster Verschleierung seines offensichtlich zumindest zum Anklagezeitpunkt noch immer vorhandenen Millionenvermögens wurde Becker von einer in Justizkreisen bekannten (Scharf)-Richterin zu einer unbedingten Haftstrafe von 2 ½ Jahren verurteilt. Schon schlimm genug, dass Frau Rat da kein Pardon kannte, geschweige denn Gnade vor Recht ergehen ließ, vielmehr mit einem Promi-Malus ein abschreckendes Exempel statuierte – sie ließ das entgeisterte Bobele im Gerichtssaal fest- und in Gewahrsam nehmen. Und das, obschon sein Rechtsanwalt einen Einspruch gegen das Urteil ankündigte und wohl in den kommenden 28 Tagen, die er Zeit hat, dagegen zu berufen, auch einlegen wird. Schlicht demütigend.


Ich bin weder Jurist noch kenne ich die Details der Anklageschrift oder gar des Urteils, habe aber mit journalistischem Unbehagen seit dem Schuldspruch vor einigen Wochen und der Folgezeit bis zum Strafausmaß immer wieder von sieben und mehr Jahren im Gefängnis gelesen und gehört, die Becker drohen könnten. Also dem medialen Zeitgeist entsprechend, dass möglichst negative Schlagzeilen möglichst großes Interesse wecken könnten – alles nach dem von Amerika importierten Motto: Bad News is Good News. Vor dem Urteil war schon die Vorverurteilung gekommen, als wäre Becker nicht nur im übertragenen, sondern fast schon buchstäblichen Sinn ein verachtenswerter Halsabschneider.

Ich will mich jetzt keineswegs als Becker-Verteidiger aufspielen, das hat (mehr oder weniger vergeblich) schon sein Anwalt gemacht, dessen „Naiven“-Karte aber offenbar nicht stichhaltig genug war. Der lange Prozess, der Becker gemacht wurde, nicht nur vor Gericht, sondern in aller Öffentlichkeit, hat aber das von ihm nach der Karriere trotz seiner immer noch und immer wieder gefragten, auch launigen TV-Expertisen verpfuschte Leben endgültig zerstört. Auch wenn er selbst ein gerütteltes Maß an Schuld am monetären, familiären und medialen Absturz hat – die laute, fast schon schrille Begleitmusik zu seiner geradezu sehnsüchtig erwarteten Demontage hat sich Boris Becker, der beste deutsche Tennisspieler aller Zeiten, trotz vieler Fehler nicht verdient. Zurück bleibt nur die Frage, ob und wenn wie gut der einstige Bum-Bum-Aufschläger diesen vernichtenden Rückschlag verkraften kann. Da steht zu befürchten, dass es kaum Zukunftsperspektiven gibt. Anders als bei Rangnick mit dem ÖFB-Team …

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