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WM-Gold darf sich nur Schwimmlegionär Auböck an seine Brust heften

Am Abend schwelgte er noch im Goldglück, konnte Felix Auböck („Wahnsinn, Wahnsinn – der Einser!“) kaum fassen, dass er 13 Jahre nach Markus Rogan der erst zweite österreichische (Kurzbahn)-Weltmeister im Schwimmen geworden war, noch dazu im 400m-Kraulklassiker! Wer weiß, was ihm nach den Glückwünschen in der Nacht alles durch den Kopf gegangen war, wer weiß, wie wenig er geschlafen hat, weil er seine Kindheitsträume verwirklicht hatte. Und niemand kann´s ihm verdenken, dass er am Morgen danach auf der für ihn eher zu kurzen 200-m-Kraulstrecke um 0,14 an seinem Weltklasserekord und um eine halbe Sekunde am 8er-Finale vorbeischrammte.

Schließlich war die Krönung schon vorbei und ein anderes Fest rief – der 25. Geburtstag, das Vierteljahrhundert für den fast Zweimeter-Schwimmgiganten, den er im Kreis der Familie feiert, ehe er nach Michigan jettet, um seine Freundin ebenso wie alte Kollegen zu treffen und den Uni-Spind auszuräumen. Dann geht´s für den Globetrotter und Selfmademan zurück nach Europa – und nach Loughborough in Mittelengland, wo er unter Andy Manley trainiert, wenn´s nicht wieder wie im Jänner in die Sierra Nevada in Andalusien für drei harte Wochen in die Höhe geht. Schließlich hat er sich dort den langen Atem zu Gold auf Meeresniveau in Abu Dhabi geholt. Und auch die Langbahn-WM 2022 (Mai) findet ja in einer Hafenstadt  auf Meereshöhe statt…


Nach der Basis in der Südstadt und einem kurzen, erfolgreichen Intermezzo im Sommer 2020 bei Balazs Fehervari in der Südstadt war und ist Felix Auböck schon immer so etwas wie ein Fremdenlegionär gewesen. Als Mittelschüler war er nach Berlin gezogen, um sich dort das Gymnasial-Abitur und die mittlere Schwimmreife zu holen, ehe er nach der EM-Sensation von London 2016 (4.) den Sprung über den Atlantik nach Ann Arbor an die Universität von Michigan wagte, um dort das Studium mit Auszeichnung zu beenden und während diesem schon zu einem Nachfolger von Rogan als NCAA-Champion (1650 Yards Kraul) zu werden.

Ein Triumph, der hierzulande kaum oder weniger registriert wurde als die haarscharf verpassten EM, WM- und Olympiamedaillen mit immer besseren Zeiten und Weltklasse-Rekorden. Aber so ist das in einem Lande wie Österreich, in dem klassische Welt- wie Randsportsportarten betrachtet bis ignoriert werden. Warum dem so ist und sich von Rogan, Jukic, Podoprigora und Co bis Auböck nichts daran geändert hat, steht auf einem anderen Blatt und wäre ein Diskussionsthema wert.

Wer aber den Lebens- und Karrierelauf von Auböck betrifft, so ist´s allein er selbst mit Hilfe seiner Familie und Gönnern gewesen, der mit ihnen die Endstation Sehnsucht, sprich: endlich Weltmeister und Nummer 1 zu werden, nie aus den Augen verlor. Er ist nie den Weg des geringsten Widerstandes gegangen, sondern war stets bereit, auch gegen den Strom zu schwimmen, um dort anzuschlagen, wo er schon als Bub hinwollte.

Mag sein, dass auch Rogan mit seinen 34 Medaillen und zahlreichen Titeln und Rekorden für den jungen Felix eine Triebfeder war, aber der neue Champion Auböck ist, um das so zu sagen, ein Anti-Rogan vom Scheitel bis zur Sohle. Kein Sprücheklopfer, aber auch kein Leisetreter, dafür aber ein selbstbewusster, zielorientierter ebenso bodenständiger wie intelligenter, umgänglicher und weltoffener Mid-Twen, der seiner eigenen Wege ging, um seine Träume zu verwirklichen. Den Titel kann nur er sich an die Brust heften, niemand anderer sich die fremde Feder auf den Hut stecken.

Auch nicht der Schwimmverband, der nur stolz sein kann und froh sein muss, dass er so einen „Fremdenlegionär“ hat, dessen Herz für Rotweißrot schlägt. Das hat Felix Auböck als „Auslandsösterreicher“ bei der emotionalen Siegerehrung in Abu Dhabi auch via Fernsehen eindrucksvoll demonstriert.

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