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Federer oder: Alles Roger auf Jagd nach ewiger Jugend?

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Er hat verständlicherweise gewackelt, ist aber nicht gefallen, sondern hat gewonnen. Roger Federer hat in Doha nach turnierfreien, aber mit Knie-OP´s und Reha gefüllten 405 Tagen ein siegreiches Comeback in einem engen Dreisatz-Match gegen den Briten Evans gefeiert. Auch wenn Evans, die Nr. 28 im Ranking, kein Tennisriese ist, so darf man sein Allroundkönnen nicht unterschätzen – und damit erst recht nicht den Sieg des 39jährigen Evergreens aus der Schweiz. Schließlich ist nichts schwieriger, als nach endlos langen Pausen die Erstrundenhürde zu meistern, noch dazu gegen einen im Spielrhythmus befindlichen Top-30-Spieler, der sich über die Jahre hinweg einen guten (oder doch eher schlechten) Ruf als Favoritenschreck erarbeitet hat.

Hochachtung vor dem angehenden Vierziger (8. August 2021), dass er nach den mehr oder weniger schweren Eingriffen und der folgenden Zwangspause weder die Selbstdisziplin noch den Ehrgeiz oder gar seinen Siegeswillen verloren hat, der ganz sicher mitgeholfen hat, gegen den weit jüngeren Briten letztlich das bessere Ende für sich zu haben. Kein Wunder, dass Federer-Klientel und Roger-Sympathisanten ganz euphorisch sind, dass der 20malige Grand-Slam-Turniersieger im hohen Tennisalter das Rad der Zeit zurückgedreht hat, bei der Rückkehr auf die ATP-Tour in Achtelfinale steht und mit dem Georgier Basilashvili eine weitere, durchaus lösbare Aufgabe vor sich hat.

Nichtsdestotrotz sei hinterfragt, was einen mehrfachen Preisgeld-Millionär – der so nebenbei noch ganz schön viel andere, auch japanische Geldquellen anzapft – dazu antreibt, sich mit Tennisspielern zu messen, die mitunter sogar seine Söhne sein könnten. Und wenn Federer nach einem Freilos einen (in Runde zwei knappen) Comeback-Sieg feiert, dann heißt das noch lange nicht, dass er quasi schon unterwegs ist zu seinem 21. Rekord-Grand-Slam-Titel, obschon manch einer schon jetzt spekuliert, ob er ihn schon in Wimbledon oder doch erst in New York erringen werde. Und dabei sei nicht darauf vergessen, dass Federer seit fast zwei Jahrzehnten auch vom olympischen Geist erfüllt und inspiriert wird, nach dem geteilten, also halben Gold im Doppel von Peking (mit Wawrinka, 2008) sich in Tokio 2021 vielleicht doch noch zum Einzel-Olympiasieger zu krönen.

Wie gesagt, man kann in SpielerInnen nicht hineinschauen, um die wahre Motivation einer immer wieder fortgesetzten oder aufs Neue begonnenen Karriere aufzuspüren, ob sie nun Federer, Murray (2 Hüft-OP´s) oder als weibliches Pendant Serena Williams (bald 40jährige Jung-Mama, samt älterer Schwester Venus,im Juni  41) heißen. Wer wie die eben genannten, langlebigen Superstars der Szene mit großen Triumphen, Titeln und Turniersiegen auch Abermillionen auf dem Konto hat, für den kann Geld wohl kein Antrieb mehr sein, wenn überhaupt, dann höchstens Vertragstreue gegenüber potenten Sponsoren. Und ob´s im fortgeschrittenen Alter wirklich so viel Spaß macht, auch abseits vom Tennisplatz tagein, tagaus stundenlang Kondition zu schinden, ist ganz sicher leichter gesagt als getan. Gut möglich, dass in Federer wie in all anderen, die vor oder nach langen (Verletzungs-) Pausen diesseits oder jenseits des Vierzigers stehen, eine gemeinsame, innere Triebfeder steckt, die auf einen kurzen Nenner oder zwei Worte gebracht, so heißt: Ewige Jugend. Dieses Match allerdings hat noch keine(r) gewonnen. Nicht nur im Tennis.

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