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Toni Fritsch: Vom Wembley-Held und US-Pionier blieb nur schlichtes Holzkreuz

Ich muss gestehen, dass ich diesen Gedenk-Termin verschwitzt hatte. Mein alter Freund und Kollege Wolfgang Winheim aber hat sich gottlob daran erinnert in einer Kurier-Hommage an eine heimische Sportgröße, die zu früh berühmt geworden war und zu früh von uns gegangen ist, so gut wie der Vergessenheit anheimgefallen. Die Rede ist von Toni Fritsch, dem Waisenkind aus Petronell, das in zwei Sportarten für Furore gesorgt und Geschichte geschrieben hat, dazu noch G´schichterln geliefert, für Anekdoten gesorgt und als Helfershelfer auch eine wichtige Rolle bei Hubert Neupers grandiosem World Sports Award of the Century gespielt hat.

Ja, Toni Fritsch, mein Freund, der bis kurz vor seinem Blitz-Tod im September 2005 bei mir im Büro aus- und eingegangen, viele Abende verbracht hatte, war nicht nur ein Original vom Scheitel bis zur Sohle, er wurde auch durch sportliche Helden- und Pioniertaten zu einer allerdings auch oft verkannten, falsch eingeschätzten Legende zu Lebzeiten.  Man schrieb den 20. Oktober 1965, als Toni sozusagen über Nacht in die Fußball-Annalen einging – im Tempel des Fußballs, im Wembley-Stadion, wo er als Teamdebütant mit zwei Toren den sensationellen 3:2-Auswärtssieg des krassen Außenseiters gegen die gleichen Engländer fixierte, die ein Jahr später Weltmeister werden sollten. Fritsch wurde damals, man kann´s alten Zeitungen entnehmen, auf Händen getragen, Schultern gehoben und wie ein Volksheld empfangen, aber wer gedacht hätte, zum Jubelsturm würd´s auch einen Geldregen geben, der irrte. Vom Ausrüster, ich denk´, es war damals adidas, gab´s einen heißen Tausender als Prämie. In Schilling, durch 14 in Euro, macht tolle 70. Unglaublich, aber wahr.


Fritsch, der als Rapid-Jugendlicher mit Franzi Hasil fast täglich und meist per Bahn von Petronell bzw. Schwechat auf die Pfarrwiese nach Hütteldorf gependelt war, haute in jugendlichem Übermut das Geld lieber auf den Schädel statt hart an sich zu arbeiten. Statt steil bergauf ging´s mit ihm bergab bis zum Bankerldrücker bei Grünweiß, ehe ein gewisser Bob Kap(kovic) als selbsternannter NFL-Commissioner anno 1971 nach Wien kam, um einen passablen Freekicker unter den Fußballern zu suchen – und der damalige, ebenso schrullige wie hochintelligente Teamchef Leopold Stastny den Edelreservisten Fritsch empfahl.

Toni, dem das Eierlaberl fremd war, kam, sah und siegte beim „Try out“ auf der Hohen Warte. So was wie ein goldener Schuss mitten in der Rapid-Tristesse. Fritsch, der außer „Yes“ und „No“ kein Wort Englisch sprach, wurde vom Fleck weg für die Dallas Cowboys engagiert. Er musste, weil er manch Verordnungen nicht verstand und Termine verpasste, anfangs ziemlich oft Pönale zahlen, so viel, dass er binnen vier Wochen fließend Englisch sprach. Und um die Green Card zu kriegen, büffelte er auch amerikanische Geschichte. Toni konnte einem jeden General nennen, der im Bürgerkrieg eine legendäre Figur in einer legendären Schlacht geworden war. Und als er am Schluss bei den Houston Oilers spielte, kam immer wieder ein großer Promi-Fan in die Kabine, um zu tratschen und zu klatschen, der damalige CIA-Chef und spätere US-Präsident George Bush, der Senior. Toni kannte viel mehr weltweit bekannte Größen und wusste viel mehr vom Leben, als viele ihm nachsagten. Aber einmal abgestempelt, immer punziert. Propheten geklten weniger im eigenen Land.

Nicht absprechen konnte man ihm seine Erfolge. Dabei waren auch die Amis zunächst sprachlos, weil beim Fremdarbeiter from Austria Treff fast immer Atout war. Mehr noch, auch dank Toni, dem überragenden Freekicker Fritsch, gewannen die Cowboys aus Texas fast auf den Tag genau vor 50 Jahren die Superbowl, für die US-Amis gleichbedeutend mit World Champions. Eine einzigartige Pionierleistung, denn Toni war der allererste Europäer, der sich mit dem Superbowl-Ring dekorierte. Und der allererste Europäer, der zweimal ins All-Star-Team berufen wurde. Dass ihm dieser Ring während eines Nachtflugs vom Finger gezogen und gestohlen wurde, als er den Schlaf des Gerechten schlief, ist wieder eine andere Story …

Nicht nur unter NFL-Größen, mit und gegen die er spielte wie Roger Staubach oder die später in legendären Prozessen verurteilten oder freigesprochenen Stars a la Bob Hayes (100m-Olympiasieger 1964) oder O.J. Simpson (Mordprozess 1994, später verurteilt, erst kürzlich freigelassen), war Toni Fritsch eine populäre Figur – seine Freundschaft zum Olympiasieger, zweimaligen Schwergewichts-Weltmeister und christlichen Prediger George Foreman bildete auch die Basis, um mit Hubert Neuper und Krone-Grandseigneur Michael Kuhn bei Muhammad Ali anzutanzen.

Toni Fritsch mit Freund Foreman, den er oft nach Wien holte – und mit Bob Kap, der ihn für Dallas an geghiefrte.

Mit Fritsch, den der amerikanische Ali-Biograf, zufällig vor Ort, auf den ersten Blick wieder erkannte, weil er in Amerika einen weit höheren Stellenwert hatte als in der Heimat. Ja, so kam´s, dass der „Größte“ auch dank Texas-Cowboy und Wembley-Toni der erste Weltstar wurde, der für den legendären World Sports Award in der Wiener Staatsoper zusagte. Ein Domino-Effekt, weil nach Ali auch alle anderen Größen ihr Kommen zusagten.

Den Stein dafür hatte, was nie so richtig kommuniziert wurde, der von vielen auch manch seiner Schwächen verkannte Fritsch ins Rollen gebracht. So viele außergewöhnliche Kapazunder, die in zwei Sportarten für Furore, Aufsehen, unvergessliche Momente und spektakuläre Taten sorgten, hat Österreich nicht. Umso trauriger, dass statt der zur Beisetzung geplanten 5000-Euro-Skulptur noch immer ein schlichtes Holzkreuz das Grab von Fritsch in Petronell ziert. Auch daran sollte man höhere Stellen anlässlich des 50-Jahr-Jubiläum seines Superbowl-Sieges erinnern. Oder, wie Fritsch, wenn er Englisch hinein ins Wienerische münzte, g´sagt hätt´: Sepp, you know… Toni, R.I. P.

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