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Tennis

Wenn aus Thiem-Niederlagen verpasste Siege gebastelt werden, hilft ihm das nichts

Ich weiß, ich weiß, dass ich mich als Kassandra vom Dienst (und gelehriger Schüler des alten Otto Schulmeister) unbeliebt mache, weil das, was ich schreibe, mitunter als geschäftsstörend empfunden wird. Aber wenn Dominic Thiem, unser US-Open-Sieger 2020, gegen das exakt fünf Jahre ältere Geburtstagskind Martin Cilic, US-Open-Sieger 2014 (!), in Tel Aviv in drei Sätzen untergeht, dann kann man bei Gott nicht von einem weiteren kleinen Fortschritt auf dem Comeback-Trail reden.

Es ändert nichts und hilft auch nichts, wenn man in fast schon hündischer Ergebenheit zum rekonvaleszenten, aber immer noch sich selbst nachhinkenden Thiem schreibt, dass er gegen Cilic den bisher wertvollsten Sieg am Weg zurück verpasst hat, um etwas schöner zu reden, als es tatsächlich ist. Verlieren bleibt verlieren und kann nur auf verschlungenem Wege zum verpassten Erfolg erklärt werden, was nichts anderes ist als Selbstbetrug. Jawohl, eine Vorspiegelung falscher Tatsachen, die als solche durch eine gar nicht so schwere Recherche als solche leicht zu entlarven ist.


Der Dominic Thiem vom Frühjahr 2020, also vor der ominösen Handverletzung, hat den damals erst 32jährigen Marin Cilic beim French Open in Paris auf (allerdings damals ziemlich schnellen) Sand ohne Satzverlust ganz locker besiegt, während er diesmal auf keineswegs extrem schnellen Hartplatz in Israel nach einem knapp gewonnenen ersten Satz schließlich mit 2:6, 4:6 die Segel streichen musste.

Und dabei war´s nicht so, dass Thiem (immerhin 12 Asse) von einer Aufschlagkanone wie Cilic (15 Asse, aber 12 Doppelfehler) abserviert worden wäre, was das Zweitrundenout im Duell ehemaliger Top-Ten-Stars plausibler gemacht hätte. Seit Wochen, nein: Monaten häre ich den Refrain, dass er immer besser und besser wird, der erste Grand-Slam-Sieger seit Muster und damit erst zweite aus Österreich, dem das geklungen ist – aber jedes Mal, wenn es scheint, als gäb´s grünes Licht für den Sturm nach vorn, springt die Ampel ´wieder auf Rot. Ja, a blede G´schicht, so formuliert es mittlerweile der Volksmund, der nicht so einfältig ist, alles zu schlucken, was aus welchen Motiven immer verzapft/verbreitet wird.

Nicht, dass man mich falsch versteht: Es geht ganz und gar nicht darum, diesen meiner Meinung nach trotz schlechter „Platzziffer“ immer noch besten Österreicher schlecht zu machen/reden/schreiben, sondern schlicht und ergreifend für unseren „Domi-Burli“ Thiem darum, in den Spiegel der Realität zu schauen. Und sich dann die ehrliche Frage zu stellen, was alles fehlt oder woran es krankt, dass das Comeback auf höherer und gar nicht höchster Ebene immer noch auf sich warten lässt.

Aber je länger Thiem wartet und wartet, je länger er zaudert und zögert, etwas zu ändern, um eine Trendwende zu erzwingen, desto mehr Zeit und womöglich den Anschluss an die absolute Spitze wird er in einem schnelllebigen Sport(ler)leben verlieren. Und dem gilt es Einhalt zu gebieten mit den richtigen Maßnahmen statt halbherziger Entscheidungen. Wenn Thiem das nicht hören will, wird er über kurz oder lang liebdienerischen Berichten zum Trotz die Folgen spüren müssen. Ganz ohne Kassandra…   

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